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Die Welt in meinen Augen

Auszug: Südkurier, 29. Oktober 2005

von Achim Graf

Er traue nicht den Beschreibungen anderer, sagt Armin Pongs. "Ich will die Welt mit meinen Augen sehen." "Die Welt in meinen Augen" heißt dann auch das neueste Buch des gebürtigen Möchengladbachers. In sieben Erzählungen erlaubt der 36-Jährige dem Leser darin einen bewusst subjektiven, fast schon privaten Blick auf die Welt. Nüchtern im Tonfall, doch mit beachtenswerter Empathie, beschreibt er die Lebensumstände von Menschen in den unterschiedlichsten Regionen der Erde. Dabei mutet Pongs seiner Leserschaft einiges zu: Die Geschichte des Jesuiten aus Madrid, der auf dem Weg ist von Delhi nach Varanasi (Indien), um dort Erlösung zu finden, ist auch eine Geschichte über Fäkalien, Gestank, Krankheiten - und den Tod. Und die Frau aus Quito (Ecuador) lässt Pongs die tragische Geschichte ihres Bräutigams erzählen, der just in der Hochzeitskutsche einem Attentat zum Opfer fiel: "Mein Mann war in der Gewerkschaft", erklärt sie dem Reisenden lapidar. Pongs gelingt es, in seinen Geschichten aus aller Welt, hinter den Problemen der jeweiligen Gesellschaft, den Menschen hervortreten zu lassen. Nicht Schicksal und Schmerz sind das tragende Element in seinen Texten, es sind die Wünsche und Träume des Einzelnen, die Hoffnung auf eine bessere, eine gerechtere Welt. Hier erzählt kein Resignierter, vielmehr ein Faszinierter, zuversichtlich und mit Feingefühl. In seinen zwei Beststellern "In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?" ließ der studierte Soziologe Pongs einst hochrangige Wissenschaftler zu Wort kommen, die versuchten, die Welt zu erklären. Mit seinen nun vorgelegten Erzählungen fügt er seinen ganz persönlichen Blickwinkel hinzu. Armin Pongs will den Leser damit nicht zuletzt auch ermutigen, sich seinem eigenen Misstrauen anzuschließen - und sich selbst ein Bild von der Welt zu machen.

Auszug: Coburger Tagblatt, 3. Dezember 2005

von Jochen Nützel

Armin Pongs ist ein rastloser Sucher. Einer, der die Welt bereist, seit er ein Jugendlicher ist. Zunächst mit dem Fahrrad, später dem Flieger. Sein Interesse gilt vor allem den Menschen in den Straßen, hinter den Fassaden, in den Buden und Geschäften. Dem Kesselflicker in Rumänien ebenso wie dem Gerber in Marokko. Die Welt in meinen Augen, die jüngst erschienenen Erzählungen über Reisen nach Indien, Tansania, die USA und Israel, sagen von diesen Treffen mit Menschen. Einer davon ist Jesus, der in Varanasi - anders als Pongs - nicht das Leben sucht, sondern den Tod. Zwischen dem Deutschen und dem Jesuiten entspinnt sich ein tiefgründiger Dialog um den Sinn und Unsinn von Glaube, Liebe, Hoffnung. Pongs ist ein feingeistiger Hörer und Seher, der seine Wahrnehmungen lieber wie ein Aquarellmaler gezielt hingetupft, statt mit dem großen Pinsel zu kleistern. Seine Reportagen zeugen von einer bemerkenswerten Beobachtungsgabe, geschult in vielen Jahren auf vielen Reisen in viele Länder.

Auszug: ShortBooks, 6. Februar 2006

von Kerstin Kratochwill

Armin Pongs betrachtet die Welt neugierig wie ein Kind. Er bleibt stets unvoreingenommen und aufgeschlossen. Das macht diesen kleinen Erzählband so sympathisch. Er liest sich tatsächlich wie im Flug, gern würde man mehr in dieser Art lesen. (...) Pongs ist keiner, der die Welt mit aller Macht verändern möchte, er klagt nicht an, aber er schaut doch ganz genau hin.

Auszug: Radio Lora, März 2006

von Willi Breizh

Armin Pongs hat viel zu erzählen und begibt sich immer wieder und mit großer Leidenschaft auf Reisen, um zu erzählen. Er erzählt von Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet. (...) Nicht Effekthascherei bestimmt den Tonfall, sondern Miterleben und Mitgefühl für das Schicksal derer, mit denen sich der Autor für einen Moment oder auch im Rahmen eines längeren Zusammentreffens austauscht. (...) Wer sich auf die Geschichten einlässt, der hat die Möglichkeit, tief in die Welt einzutauchen, so wie Armin Pongs sie erlebt, sieht und interpretiert, ohne dabei die notwendige Distanz zu Menschen und Ereignissen zu verlieren. (...)

Auszug: Bayrische Staatszeitung, 5. Mai 2006

von Sebastian Sigler

Ein Autor verlegt eigene Erzählungen. Ob das gutgehen kann? Es kann. Armin Pongs mit seinem Dilemma Verlag hat durch seine soziologischen Fachbücher ein breites Publikum auf sich aufmerksam gemacht. In seinem jüngst vorgelegten Buch "Die Welt in meinen Augen" führt er nun selbst seine Leser um den Globus. Sieben Geschichten voller Präsenz, die Dialoge dicht und zugleich eine Spur lakonisch. Das erzeugt Nähe und Distanz zugleich, der stetige Erzählfluss tut ein übriges. Schwebend und voller Weisheit, sehr buddhistisch im Sinne der Leere - so wirkt der erzählerische Auftakt "Tod in Varanasi". Den Tod beschreibt Pongs gleichwohl nicht direkt. Dass die Hauptperson Jesús heißt, gibt einen zarten Hinweis darauf, dass es eine vielfach verschüttete Spur indischer Weisheit gibt, die auf religiösem Weg auch Grundlage unserer Kultur wurde. Der Autor versteht es, dies auszudrücken, ohne es auszusprechen. Voll Härte und Überlebenswillen aller lebensbedrohlichen Umstände zum Trotz - so präsentiert sich eine Geschichte aus Tansania, tröstlich, ohne mit einem Happyend dienen zu können. Packend erzählt und auf den Punkt gebracht die Schilderung aus Ecuador "Bluthochzeit". Der Titel ist düsteres Programm, Pongs zeichnet ein erbarmungslos realistisches Profil eines geschlagenen Landes. Verblüffend die Antwort auf die Frage, was eine Leninstatue in New York macht. Schön gezeichnet der Konstrast zwischen Orient und Okzident im heutigen Marokko. Thematisch etwas schwächer ist ein Bericht aus Jerusalem. Weder originell noch neu ist die Idee, einen sich aufdrängenden Reiseführer summarisch optische Eindrücke und politische Befindlichkeit in dieser historisch so bedeutsamen Altstadt schildern zu lassen. Umso versöhnlicher fällt der Abschluss des Buches aus: Die "Holzvampire von Hunedoara" sind eine Neuentdeckung, sie stehen stellvertretend für ein Land voller Poesie und Probleme: für Rumänien. Es ist sehr wichtig, mehr über dieses unbekannte Land, das doch an der Schwelle zur EU steht, zu erfahren. In dieser erkennbar mit Herzblut geschriebenen Geschichte wird das deutlich. Der Band braucht den Vergleich mit den Produkten großer Verlage keinesfalls zu scheuen. Eine schöne Haptik wird durch anspruchsvolle Bebilderung, gute Ausstattung und festes, edles Papier garantiert. Ein kleiner Nachteil angesichts der erfreulich festen Bindung ist die reichlich angelegte Breite des Satzspiegels, die das Lesen in entspannter Pose nicht erleichtert. Aber dieser Makel ist durchaus zu verschmerzen, ist er doch Beleg dafür, dass "Die Welt in meinen Augen" zu genussvoller Lektüre anregt und dabei nicht enttäuscht.

Auszug: Rhön- und Saalepost, 15. Mai 2006

von Stefan Kritzer

Reise war von Jugend an sein Hobby. Schreiben auch. Was liegt also näher, als die Erlebnisse zahlreicher Auslandsreisen in einem Buch festzuhalten, den Lesern den ganz eigenen, den völlig subjektiven Blick auf die Dinge der Welt miterleben zu lassen. Der Soziologe, Verleger, Autor und Fotograf Armin Pongs aus München hat mit dem Erzählband "Die Welt in meinen Augen" ein erstes Werk dieser Art vorgelegt. Die Erlebnisse aus sieben Reisen, die teilweise bis in seine Jugendzeit zurückreichen, hat Pongs beschrieben. Nicht rein narrativ, sondern in kurzen, prägnanten Sätzen hat der Autor Eindrücke formuliert. Bisweilen ist es die Sprache eines Tagebuches, die Armin Pongs schreibt, dann wieder werden ausführlicher prägende Ereignisse umfassender dargestellt. Der Autor nimmt seine Leser mit auf eine Reise mit dramatischen Erlebnissen in das indische Varanasi. Seine Reisen führen ihn in den Süden des afrikanischen Kontinents oder nach Quito in Südamerika. Er sucht nach Ali Baba und den vierzig Gerbern im marokkanischen Fés und erzählt vom Himmelsboten aus Jerusalem. Auf der Suche nach Holzvampiren zieht es Pongs in die Legendenlandschaft der rumänischen Berge ebenso wie nach New York, wo er im Jahre 2001 eine unvergessliche Begegnung mit einem Relikt aus der sozialistischen Vergangenheit erlebt. Auf dem Dach eines New Yorker Hochhauses fotografierte Armin Pongs eine bronzene Lenin-Statue, die in Richtung des World Trade Centers blickt. Das Foto komponierte Armin Pongs nur wenige Tage vor den Terroranschlägen des 11. September 2001. Selbstverständlich findet der Leser dieses Foto in dem Buch. Wie auch noch einige mehr. "Die Welt in meinen Augen" ist aber beileibe kein Bilderbuch. Die wenigen, sorgsam ausgewählten Fotos sind Meisterwerke des dokumentarischen Fotografierens. Pongs versteht es exzellent, in klitzekleinen Bildausschnitten die Welt so zu darzustellen, wie sie sich in den Augen kleiner Kinder, alter Menschen, Männern und Frauen im Alltag sowie deren Lebensräumen widerspiegelt. Und wie er sie in seinen Reiseerzählungen so trefflich wiederzugeben weiß.

Auszug: taz, 17. Juni 2006

von Günter Ermlich

Mit 14 war Armin Pongs zum ersten Mal alleine unterwegs. Per Rad an Mosel und Rhein. Mit 21 machte er seine erste Reise außerhalb von Europa und fuhr nach Indien. Und jetzt, Mitte 30, legt er seine gesammelten Weltsichten in einem kleinen Erzählband vor. Sieben kurze Geschichten, subjektive Reiseminiaturen von Begegnungen mit Menschen, die er mit schönen Farbfotos illustriert hat. Sein Credo von Jugend an: "Wichtig ist, dass ich auf Reisen bin. Ich will die Welt mit eigenen Augen sehen." Mit großen Augen und überbordender kindlich-naiver Neugier geht Pongs durch die Welt. Er fängt Stimmungen und Stimmen ein, die er ausführlich wiedergibt: mit dem Uralthippie Ritchie, der ihn zu einer Lenin-Statue auf dem Hochhausdach in Manhattan bringt, oder dem Reiseführer Mosab in Jerusalem, der ihm die Heiligtümer zeigt.

Auszug: Frankfurter Rundschau, 1. Juli 2006

von Boris Halva

"Ich liebe die Schaffner, sie fragen nicht, woher du kommst. Sie fragen lediglich, wohin die Reise geht." Zwei, drei Mal wird Armin Pongs in seinem Buch "Die Welt in meinen Augen" nach dem Ziel seiner Reise gefragt. Nicht immer hat er darauf eine Antwort. Es geht um das Reisen selbst, das Unterwegssein. (...) Die Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet, bereichern seine Geschichten mit den Geschichten ihres Lebens: Der spanische Jesuit in Indien, der Sohn des marokkanischen Ledergerbers, der Althippie in New York. (...) Inmitten dieser sehr stillen Reiseerzählungen scheinen jene magische Reisemomente auf, die kein Foto einfangen kann. In Tansania, wo die Wolken am Himmel an wandernde Kontinente erinnern, trifft der Erzähler den Fischersohn Ntulanalwo. Als kleiner Junge habe er gerne Schmetterlinge gefangen, erzählt der Junge, "und wenn wir viele beisammen hatten, haben wir sie alle auf einmal in die Luft geworfen." An dieser Stelle wird Pongs zum schweigenden Genießer.

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